Ach, schon wieder loslassen…

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Bild: pixabay

„Wenn du nichts mehr willst, entlässt dich der Druck, in den dich deine Wünsche gestellt haben. Je präziser wir etwas loslassen können, desto grösser und konkreter ist unsere innere Freiheit.“

Dieser Spruch hängt schon ein paar Jahre in meiner Wohnung. Tagtäglich laufe ich daran vorbei. Zwischenzeitlich habe ich ihn nicht mehr wahrgenommen. Aber im Moment ist er wieder aktueller denn je.

Dieses viel gepriesene Loslassen begegnet uns immer wieder. Überall heisst es: Du musst einfach loslassen! Ob das so einfach wäre! Gesagt ist das so schnell. Mit dem Kopf verstanden auch. Aber wahrhaft loszulassen ist so schwer. Wieso sollte ich etwas loslassen, das mir so lange so gute Dienste erwiesen hat? Wieso sollte ich etwas loslassen, das doch eigentlich zu mir gehört, oder etwa nicht? Obwohl, es bereitet mir Schmerzen, daran festzuhalten….. Aber will ich diesen süssen Schmerz überhaupt loslassen? Was bleibt dann noch?

Viel lieber trauere ich der Vergangenheit nach. Denke, früher, ja früher war doch alles besser. Oder denke, wieso hatte ich nur so eine schreckliche Kindheit? Wieso hat mich dieser Mensch verlassen, wo wir es doch so schön zusammen hätten haben können? Wieso liebt mich meine Familie nur, wenn ich mich genauso verhalte, wie sie es sich gewöhnt ist? Wieso ist nur dieser geliebte Mensch gestorben? Wieso muss das gerade mir passieren? ICH WILL DAS NICHT. ICH WILL NICHT LOSLASSEN. Da könnt ihr mir sagen, was ihr wollt! Ich lebe lieber noch mit schönen Erinnerungen in der Vergangenheit. Da war es wenigstens gut. Oder ich gebe weiterhin meiner Kindheit die Schuld, dass ich heute so bin, wie ich bin. So ist das nun mal. Punkt.

Und heute? Geht der Weg weiter, wenn ich mich immer wieder zurück in die Vergangenheit denke und wünsche?

Nein. Ich habe die Erfahrung gemacht, es bringt gar nichts, in der Vergangenheit zu verharren. Es gab da vielleicht viele schöne Erlebnisse. Aber natürlich auch das Andere, das nicht so schöne. Will ich das auch wieder erleben? Nein, auf keinen Fall. Das Leben geht weiter. Und es geht nicht nur im Aussen weiter. Nein, auch im Inneren will das Leben weitergehen. Die Seele will wachsen.

Darum ist loslassen, trotz aller esoterischen Anhaftungen, so wichtig. Es nützt aber nichts, mit dem Kopf zu sagen, ich lass nun mal los. Denn so funktioniert das nicht.

Loslassen beginnt damit, das Alte, das gewesen ist, zu würdigen und anzunehmen. Alles hat es gebraucht, dass ich heute da bin, wo ich jetzt stehe. Alles Schönes, aber auch all der Schmerz will angenommen und in Liebe losgelassen werden. Wenn ich es annehmen kann, als das, was es gewesen ist: Ein Schritt oder auch viele Schritte, um zu dem Menschen zu werden, der ich wirklich bin!

Die Seele will nichts weiter, als zu wachsen, sich zu entwickeln, voller Freiheit und Liebe zu sein. Aber das geht nur, wenn wir alten Groll hinter uns lassen und vorwärts gehen. Viel von dem altem Groll ist in unserer Kindheit versteckt. Unsere Kindheit war vielleicht nicht so schön. Unsere Eltern waren nicht perfekt. Wir hätten uns vielleicht liebevollere Eltern gewünscht, oder tolerantere, oder aufgeschlossener, oder weniger strenge, oder herzlichere…… Aber wir hatten genau die Eltern, die wir gebraucht haben, um zu dem Menschen zu werden, wer wir in Wahrheit wirklich sind. Unsere Eltern haben das Beste gegeben, das sie konnten. So wie wir immer das Beste geben, was wir können. Und unsere Eltern haben, und das ist ja das Wichtigste, uns unser Leben geschenkt. Durch sie sind wir auf dieser Erde und dürfen leben.

Wir haben nun die Chance, uns, unseren Eltern und anderen Menschen zu vergeben, um dann ein freies, selbstverantwortliches Leben zu führen.

Ich weiss, dieser Weg ist nicht einfach. Ich weiss, dass jeder einzelne Mensch durch viel Schmerz gehen muss, wenn er wirklich sich selber sein will. Ich weiss, wie oft es einfacher ist, wegzuschauen und jemand anderem die Schuld für sein Schicksal zu geben. Ich weiss, wie oft es einfacher ist, die Augen vor sich selber zu verschliessen. Ich weiss aber auch, wie befreiend es ist, sein Leben selber in die Hand zu nehmen. Wie befreiend es ist, den Eltern oder jedem anderen Menschen, der uns Leid zugefügt hat, von Herzen (in Gedanken) zu sagen: Ja, ihr habt alles richtig gemacht. Ich bin euch dankbar, dass ich hier auf Erden sein darf. Die Erfahrungen, die ich durch euch machen durfte, haben mich zu dem Menschen gemacht, der ich heute bin.

Ja, ich weiss, ich hätte mir auch manches Mal ein anderes Leben mit anderen Erfahrungen gewünscht. Aber meine Seele hat entschieden, dieses Leben mit diesen Menschen zu leben. Und ich darf daran so wunderbar wachsen, wofür ich unendlich dankbar bin. Jede Träne, jeder Schmerz, aber auch jedes Glück, jede Freude, jede Liebe hat sich so sehr gelohnt.

Und ich weiss auch, nach all der harten Arbeit darf ich einen wunderbaren Lohn, einen wunderbaren Schatz empfangen: Meine ganz persönliche innere Freiheit. Und dafür lohnt es sich so sehr zu leben.

Ich freue mich, dieses Leben mit mir zu verbringen. ♥

Von Herzen

Bernarda

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